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Jüdische Gemeinden in Heidelberg

 

Viermal wurden in Heidelberg jüdische Gemeinden gegründet: im 13. Jahrhundert, 1356, 1666 und 1946. Der erste Beleg findet sich für das Jahr 1275, als die drei heiligen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz („Kehillot Schum“) schon in Blüte standen. 1348 wurde Juden unterstellt, die Brunnen vergiftet und damit die Beulenpest verursacht zu haben: Viele wurden ermordet, andere vertrieben. 1356 bis 1390 gab es eine zweite Gemeinde in Heidelberg. In der religiösen Literatur ist vom Grundsatz die Rede, dass „ein Rabbiner nicht in Heidelberg wohnen solle“. Vielleicht geht dies auf die exponierte Lage in einem Hauptort eines wichtigen Territo­riums zurück. Jüdische Repräsentanten, also der Rabbiner, wurden beauftragt, Abgaben für den Fürsten eintreiben zu lassen und persönlich dafür zu haften. Dies war ein großes Risiko.

 

1390 wurden die Juden erneut vertrieben und ihr Besitz, die Grundstücke, das Synagogeninventar und ihre hebräischen Handschriften der jungen Universität (gegründet 1386) geschenkt. In der Plöck, vermutlich an der Stelle der heutigen Universitätsbibliothek, befand sich der mittelalterliche Friedhof. Nach der Vertreibung der Juden wurden die Grabsteine verkauft und wieder verwendet. 1970 fand man den Teil einer Inschrift in der Unteren Straße.

 

Die dritte Gemeinde

Es vergingen über zweihundertsiebzig Jahre, bis 1666 wieder jüdische Familien in Heidelberg formell aufgenommen wurden. Diese Gemeinde existierte bis 1940.

 

Sie konnte 1702 einen Friedhof südlich des Klingenteichtors einrichten. 1714 genehmigte die Obrigkeit die Einrichtung eines schlichten Betsaals an der Mantelgasse 1 im Haus „Zur blauen Lilie“. Von außen durfte die Syna­goge nicht als solche erkenntlich sein. Die Zugänge waren auf den südlichen Innenhof gerichtet.

 

1724 wurde dem ersten Juden erlaubt, an der Universität in Medizin zu promovieren. Es war dies der Sohn eines jüdischen Hoflieferanten, der dieses Recht als erster erhielt. Die Gemeinde blieb bis weit ins 19. Jahrhundert klein. Nach 1810 öffnete die Universität alle Fakultäten für Juden. Der Jurist Eduard Gans studierte hier, die Familie David Zimmern unterhielt an der Haspelgasse eine Art Salon, zu dem auch der berühmte Literat Ludwig Börne (1786–1837) – nach 1803 in Heidelberg Medizinstudent noch unter seinem alten Namen Löb Baruch – eingeladen war. Sigmund W. Zimmern, ein Sohn von Vorsteher David Zimmern, wollte unbedingt Professor an der Universität werden und ließ sich 1814 taufen. Vereinzelt konnten sich Juden zwar habilitieren, so etwa 1811 der Arzt Alexander Haindorf, doch die Wahl eines Juden zum Professor lehnte die Universität bis 1861 ab.

 

Rabbiner Salomon Fürst (Amtszeit 1827–72) unterhielt in Heidelberg eine kleine Pension und unterrichtete auch Talmud. Einige spätere Rabbiner studierten bei ihm. Der jüdische Jurist Gabriel Riesser absolvierte 1826 in Jurisprudenz summa cum laude (lat.: mit höchstem Lob), fand aber keine Stelle. Er wurde zwischen 1830 und 1848 zum Sprecher und Vorkämpfer der deutschen Juden für ihre Gleichberechtigung.

 

1876 wehrten sich Anwohner des Gebiets um den Klingenteich gegen den alten jüdischen Friedhof. So musste die Gemeinde im Südwesten des Stadtgebiets einen neuen anlegen, den heutigen jüdischen Bergfriedhof.

 

Am 12. April 1878 konnte an der Mantelgasse eine neue Synagoge eingeweiht werden. Diese wies ein Harmonium auf. Man befolgte in Heidelberg den liberalen Ritus des Mannheimer Rabbiners Moses Präger.

Synagoghe 1896 (Quelle: Stadtarchiv Heidelberg)

Studenten aus Russland

Von den 1870er Jahren an bis 1932 kamen jüdische Studenten aus Russland nach Heidelberg. Herman Schapira studierte und lehrte hier von 1878–1898 Mathematik. Er war ein früher Zionist und verlangte, dass eine von jüdisch-religiösen Strömungen unabhängige weltliche jüdische Universität eingerichtet werden sollte. Diese Idee bereitete den Weg zur 1925 gegründeten Hebräischen Universität in Jerusalem. Der Dichter Saul Tschernichowski kam 1899–1903 als Medizinstudent hierher. Aus Litauen stammte Nachum Goldmann, der 1920 zum Dr. jur. promovierte und vorher in der koscheren Pension von Hermine Deutsch in der Märzgasse und später an der Bergheimer Straße 18 gewohnt hatte. Es gab eine russische Lesehalle, der ein jüdischer Student vorstand. Zeitweise befand sie sich in der Plöck, dem damaligen Wohngebiet der russischen Studenten. 1907 bis 1927 unterrichtete Salman Baruch Rabinkow Talmud. Er hatte später so berühmte Schüler wie Erich Fromm, Norbert Glatzer oder Isaac Steinberg. Letzterer promovierte über „Die Lehre vom Verbrechen im Talmud“, fand also einen christlichen Doktorvater, der ein talmudisches Thema annahm. 1917 diente Steinberg kurze Zeit unter Lenin als Justizminister. Aus Riga kam der Universal­gelehrte Jeschajahu Leibowitz (1903–1994), der in Heidelberg bis 1932 Medizin studierte.

 

Frauenstudium

Unter den ersten Frauen im Studium befand sich die Rabbinertochter Rahel Goitein aus Karlsruhe. Sie gehörte zu den ersten promovierten Ärztinnen in Deutschland. Auch Selma Stern aus Kippenheim studierte hier bis 1913 Geschichte.

 

Jüdische Dozenten

An der Universität wirkte als erster jüdischer Ordinarius der Arabist und Turkologe Gustav Weil (nach 1861) und der Handelsrechtler Levin Gold­schmidt, der fünfzehn Jahre auf eine Professur warten musste. Friedrich Gundelfinger (nach 1927 Gundolf) war berühmt als Germanist. Karl Mannheim lehrte Soziologie und Eugen Täubler 1925–1933 Alte Geschich­te. Um 1890 waren immerhin 17,5 % aller Studenten der Universität jü­disch. An der Hochschule lehrten 1930 neun Prozent jüdische Lehrkräfte.

 

Im Geschäftsleben

Neben der Universität waren Juden vor allem im Textil- und Warenhaushandel, sowie im Tabakhandel und in der Produktion prominent vertreten. Das heutige Kaufhaus Kraus an der Hauptstraße gehörte vor 1933 der jüdischen Familie Rothschild. Am Ort des heutigen Kaufhofes ebenfalls dort (Hauptstraße 28) stand das Warenhaus Hermann Tietz, das im Besitz der aus Polen stammenden Familie Goldscheider war. Im Barclays-Haus an der heutigen Ringstraße befand sich eine jüdische Tabakfirma. Diese gehörten zu den größten Arbeitgebern überhaupt: etwa bei der Firma Hochherr waren in Heidelberg und Umgebung 974 Arbeiter angestellt. An der Bahnhofstraße 17 befand sich der Sitz der großen Schuhfabrik Cäsar Fisch. In der Möbelproduktion war die ursprünglich aus Litauen stammen­de Familie Basnizki prominent vertreten. Der Antiquar und Synagogenrat Ernst Carlebach bot an der Hauptstraße 137 badische und kurpfälzische Antiquitäten an. Durch jüdische Firmen waren in den 1920er Jahren 2750 Menschen beschäftigt, über 15 % aller in der Privatwirtschaft Angestellten. Die jüdische Gemeinde zählte zur selben Zeit rund 1250 Mitglieder und machte etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

 

Die Gemeinde verfügte über ein eigenes Haus in der Bunsenstraße 2. An der Bergheimer Straße 118 befand sich die Chewra Kadischa („Heili­ge Bruderschaft“) und an der Bahnhofstraße 53 der große Israelitische Frauenverein, der zuwandernde Juden aus Osteuropa in den 1920er Jahren betreute. 1921 hatte sich ein „Verein gesetzestreuer Juden“ gebildet. 1932 konnte er einen eigenen Betsaal in der Plöck 35 beziehen.

 

Der „Centralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hatte eine Ortssektion, wie auch der nach 1918 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und die Bnei Brith-Loge („Söhne des Bundes“). Die jüdischen Jugend­bewegungen waren nach 1919 vertreten. Neben dem zionistischen Ha-Bonim („Die Erbauer“) und dem Ha-Schomer Ha-Zair („Der junge Wächter“) gingen die „Kameraden“ in Kluft und mit Gitarre auf große Fahrt. Der Jüdische Turnverein stählte unter dem Dach des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten die Muskeln. Wer wollte, konnte von einem breiten jüdischen Bildungsangebot profitieren.

 

In Heidelberg wirkte der bekannte Pfarrer Hermann Maas, der auch am neuen Jüdischen Lehrhaus in Mannheim allgemeine Theologie unterrichte­te. Er half nach 1933 vielen verfolgten Juden.

 

Die nichtjüdische Studentenschaft kam nach 1919 immer mehr ins na­tionalistische Fahrwasser. Nationalsozialisten unter ihnen agitierten gegen den Mathematiker Emil Julius Gumbel (1891–1966), der nachwies, dass die deutsche Justiz in den 1920er Jahren Gewaltakte von Rechtsradikalen kaum bestrafte. Gumbel war Pazifist und verurteilte den Ersten Weltkrieg. 1932 wurde ihm deswegen die Lehrbefugnis entzogen.

 

Der Nationalsozialismus

Beim Novemberpogrom 1938 (Quelle: Stadtarchiv Heidelberg)

1933 veränderte sich die Stimmung schlagartig, wie aus den Memoiren von Raymond Klibansky (1905–2005) hervorgeht. Viele Zeitgenossen waren sehr opportunistisch. Kaum jemand protestierte gegen die Verfolgung der Juden. Jüdische Kinder wurden aus den Schulen entlassen. Lehrer Durlacher unterrichtete sie von August 1935–1938 separat in einem Zimmer der Landhausschule in der Weststadt, nach November 1938 wirkte er bis Oktober 1940 im „Judenhaus“ an der Bunsenstraße 19. Jüdische Rechtsanwälte und Ärzte durften keine christlichen Kunden und Patienten mehr annehmen. Jüdische Mitglieder wurden aus allgemeinen Vereinen hinausgeworfen. Jüdische Dozenten und solche jüdischer Abstammung, die sich gar nicht als jüdisch ansahen, durch die Universität entlassen. Der jüdische Kulturbund bot eine gewisse Stütze. Viele emigrierten in die USA, nach England, Frankreich und Palästina. 1938 wurde die Heidelberger Synagoge geschändet und angezündet. Im Februar 1939 brach man sie ab. Der Betsaal der Orthodoxen diente für fast zwei Jahre als Ersatz. 1939 wurden viele in „Judenhäuser“ umgesiedelt, so in die Bunsenstraße 19, die Bergheimer Straße 25 oder in die Landfriedstraße 14. Am 22. Oktober 1940 wurden fast alle badischen Juden in den französischen Ort Gurs deportiert und viele später in Osteuropa ermordet. Einige konnten von Gurs auswandern, einzelne sogar flüchten. Wieder andere überlebten im franzö­sischen Untergrund.

 

Nur einzelne in gemischten Ehen Lebende überstanden die Zeit in Hei­delberg, so etwa der Historiker Paul Hirsch. Im März 1938 war der Oberrat der Israeliten Badens abgeschafft und der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland unterstellt worden. Diese unterstand nach 1940 direkt der Gestapo. Ein „Vertrauensmann“, Arthur Strauss in der Schiffgasse 3, musste von den nicht deportierten Juden Abgaben eintreiben und sie auf die Deportation vorbereiten. 1942 erzwang die Gestapo über die Reichsvereinigung sogar den Verkauf der beiden Friedhöfe an die Stadt.

 

Die vierte Gemeinde

Im April 1945 wurde Heidelberg befreit. Der amerikanische Militärrabbiner ließ in der Klingenteichstraße 4 im Haus einer Burschenschaft auf den 1. September 1946 einen Betsaal einrichten. Die resolute Rositta Oppenheimer-Kramer stand einem jüdischen Altersheim vor, das in einer Fabrikanten-Villa in der Weststadt, in der Häusserstraße, eingerichtet wurde. Sie selbst war von 1949–1963 Mitglied im 1946 neu gegründeten Nachkriegs-Oberrat der Israeliten Badens. Hier bestand ein jüdischer Betsaal, der 1958 renoviert wurde.

 

Die Nachkriegsgemeinde war klein, 1955 waren 104 Mitglieder eingetragen. In ganz Baden gab es damals nur 24 jüdische Kinder im Alter von 1 bis 20 Jahren. Die Mehrheit bildeten osteuropäisch-jüdische Staatenlose. Es gab nur wenige badische Juden unter ihnen. Ernst Michel (1916–2000) war im Auftrag des Oberrats von 1969–1988 Geschäftsführer der Gemeinde.

 

Die aus Osteuropa stammenden Mitglieder mussten sich aus dem Nichts heraus eine wirtschaftliche Existenz aufbauen. Einige taten dies durch ihre von den Amerikanern zugelassene Tätigkeit in der Gastronomie. Juden, die in Deutschland verfolgt worden waren, erhielten juristisch einfacher Anspruch auf „Wiedergutmachung“, doch zeigten sich Beamte der Heidelberger Stadtverwaltung nicht kooperativ: Paul Hirsch wurde 1956 sogar gezwungen, drei eidesstattliche Erklärungen beizubringen, dass er 1941–45 wirklich den Judenstern getragen und damit den Anspruch auf eine Rente erworben hatte.

 

In den frühen 1970er Jahren formierte sich eine jüdische Studentengruppe, die ein ehrgeiziges Vortragsprogramm organisierte. Maguid Khoschlessan, Jack Nothmann und Schoschana Maitek waren treibende Kräfte. Mit dieser kooperierte eine deutsch-israelische (christliche) Studen­tengruppe, die vor allem aus Theologiestudenten zusammengesetzt war. Hier war Angelika Köster-Lossack, eine Soziologie­studentin, die später Grünen-Bundestagsabgeordnete wurde, aktiv.

 

Ein jüdischer Frauenverein wurde nach dem Vorbild des amerikanisch-jüdischen der Militärgemeinde gegründet. 1976 ließ Werner Nachmann, der junge Vorsitzende des Nachkriegs-Oberrats der Israeliten Badens, den Betsaal im Altersheim schließen. Die Gemeinde musste in einen Hinterhof der Rohrbacher Straße 18 und 1986 ins Darmstädter Hof Centrum ziehen. Das Provisorium dauerte von 1946 bis 1994, also „stolze“ 48 Jahre.

 

1979 wurde in der Hauptstraße 120 die Hochschule für Jüdische Studien eingeweiht. Diese Räume waren sieben Jahre in Gebrauch; allerdings machte die Stadtverwaltung Heidelberg schon im Jahr 1980 die Liegenschaft Friedrichstraße 9 frei. Die Bildungsstätte hat sich von sechzehn Studenten zum größten Institut für jüdische Studien in Deutschland entwickelt.

 

Nachmann wollte ein über zwanzig Stockwerke umfassendes Gebäude mit Synagoge, Gemeindesaal, Hochschule, Studentenwohnheim und Muse­um oder Dokumentationszentrum einrichten, das nie gebaut wurde. Im Rückblick ist kritisch anzumerken, dass diese Pläne den Neubau einer Synagoge verzögert haben. Erst nach dem Tod Werner Nachmanns (1988) änderten sich die Verhältnisse. Im Januar 1994 konnte in der Häusser­straße, an der Stelle des jüdischen Altersheims von 1947–76, die neue, von Alfred Jacoby erbaute Synagoge eingeweiht werden.

 

Seit 1990 sind viele Zuwanderer aus Osteuropa – hauptsächlich aus Russland, der Ukraine und Moldawien nach Heidelberg gekommen. Die Zahl der Gemeindemitglieder verdreifachte sich von 180 auf rund 540, allerdings gehören auch Mitglieder in so entfernten Orten wie Mosbach juristisch zur Heidelberger Gemeinde.

Dr. Uri R. Kaufmann

 

Die jetzige Heidelberger Synagoge wurde von dem Architekten Alfred Jacoby entworfen und im Januar 1994 eingeweiht.

Gemeindezentrum seit 1994 (das Gebäude und der Gebetssaal)

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